Leseproben: "Die Fee vom Bodensee"

Silbern glänzend lag der See vor ihm, eine riesige und nahezu bewegungslose Wasserfläche. Nur ganz leise hörte Hannes das Plätschern des Wassers, dessen Wellen leicht an die Mauer der Uferbefestigung schlugen. Es hatte schon längere Zeit nicht mehr geregnet. Er sah die grünbemoosten Steine, die nur bei niedrigem Wasserstand zu sehen waren.
Hier, in diesem Dorf am Bodensee, nicht weit von Meersburg, würde er seinen Lebensabend verbringen, in dem kleinen Häuschen mit dem steilen Giebel, das dem Besitzer des nahegelegenen Hotels gehörte.

Johannes Lebrecht, von seinen Freunden nur Hannes genannt, hatte sich mit diesem Häuschen einen Lebenstraum erfüllt. Er, der alleinstehende pensionierte Lehrer und frisch gebackene Hobbyschriftsteller, wollte kein Eigentum. Schließlich war er nie verheiratet gewesen, von illegitimen Kindern war ihm nichts bekannt und das letzte Hemd hat keine Taschen...
Er wollte hier nur in Ruhe leben.
Nachdenklich betrachtete er die alten Weiden am Ufer, deren Zweige normalerweise weit ins Wasser hingen, jetzt aber vergeblich nach Feuchtigkeit suchten. Er spürte, wie die ungewohnte Trockenheit ihnen zusetzte. Trotzdem fühlte er sich mit der Buche, die nicht weit davon entfernt ihre Äste ausbreitete, wesentlich mehr verbunden als mit den Weiden. Er lehnte sich oft an ihren Stamm.  Sie gab ihm Kraft, sogar jetzt, wo sich der Saft in den Stamm zurückzog, und ihre Blätter längst die Farben des Herbstes angenommen hatten.
Bald wurden die Tage grau und neblig. Dann würde der Winter kommen und die schweizer- und österreichischen Berge mit Schnee bedecken. Aber jetzt schien noch immer die Sonne und tauchte die liebliche Bodenseelandschaft in ein goldenes Licht.

Die Frau, die auf „seiner Bank“ vor der Buche saß, hatte er noch nie gesehen. Das weißblonde Haar fiel ihr über die Schultern. Sie trug ein schwarzes Spitzenkleid mit kleinem Ausschnitt und einem weiten Rock, der fast die ganze Bank bedeckte. Ein wenig wunderte er sich, dass ihr nicht kalt war. Die anderen Spaziergänger trugen bereits herbstliche Windjacken.
Während sein Blick zu den wenigen Passanten schweifte und an den vorbeifahrenden Radlern etwas länger haften blieb, verlor er die einsame Frau bei der Buche aus den Augen. Als er sich ihr wieder zuwenden wollte, war sie verschwunden, so lautlos und plötzlich, wie sie gekommen war.
Er schüttelte den Kopf. Plötzlich war er sich nicht mehr sicher, ob sie vielleicht nur in seiner Einbildung existierte. Er zuckte die Schultern und setzte gedankenverloren seinen Weg fort.
Am nächsten Tag sah er sie wieder um die gleiche Zeit auf der Bank bei der Buche sitzen. Wieder trug sie das schwarze Spitzenkleid, obwohl es noch kühler war, als am Tag zuvor. Heute wirbelte ein stürmischer Wind die Blätter hoch. Sie taumelten um die Bank, tanzten um den Kopf der Frau und setzten ihren Reigen auf dem Kiesweg fort. Sie saß bewegungslos, anscheinend völlig in den Anblick der wirbelnden Blätter versunken.


Die Frau am Fenster

Das Haus, das sie zwischen den rebenbedeckten Hügeln und Olivenhainen entdeckt hatten, stand anscheinend schon seit langem leer. Im seinem Inneren herrschte das Chaos. Zu lange schon war es als Scheune und Abstellplatz für alles, was nicht mehr niet- und nagelfest war, missbraucht worden. Am schlimmsten jedoch stand es um den Fußboden des Obergeschosses. Hätte sich ein mutiger Mensch über die ebenfalls schon morsche Leiter hinaufgewagt, wäre er bereits nach den ersten Metern wieder im Erdgeschoss gelandet. Zwischen den defekten Balken hing altes, graues Heu herunter. Nein, niemand wäre auf die Idee gekommen, das obere Geschoss zu betreten...

Nach der dritten Besichtigung des alten Gemäuers waren beide überzeugt, dass es für sie trotz des abenteuerlichen Zustands das Richtige war. Sie warfen, bevor sie gingen, noch einen Blick zurück, fest entschlossen, dem Bauern, dem das Haus und das Land gehörte, ihren Entschluss mitzuteilen. Gegen gutes Geld waren die meisten Leute in dieser Region bereit, ein Stück von ihrem Besitz abzutreten. Viele waren es müde, von morgens bis abends zu schuften. Die Söhne und Töchter waren größtenteils bereits in die großen Städte gezogen und hatten die Alten auf ihrer Scholle allein gelassen. Dieser Ort machte keine Ausnahme.

Brigitte blieb noch einmal stehen und rieb sich überrascht die Augen. Das konnte wohl nicht sein! An einem der oberen Fenster war die Gestalt einer Frau zu sehen. Das blasse Gesicht war weder alt noch jung, ihre Miene ernst, geradezu undurchdringlich. Brigitte sah außerdem, dass die Frau ein schwarzes Kleid trug, wie es oft in südlichen Ländern bei älteren Frauen typisch war.
Sie fasste ihren Mann am Arm. „Schau mal – wie kommt diese Frau dazu, das Obergeschoss zu betreten?“
Günter sah verblüfft drein. „Welche Frau?“
„Na, dort oben, an dem Fenster rechts!“ Sie deutete mit der Hand auf die Fensteröffnung.
„Spinnst du?“, raunzte Günter unwillig. „Hier ist weit und breit niemand, und schon gar nicht an diesem Fenster. Was ja ohnehin unmöglich wäre“, fügte er hinzu.
Brigitte kam sich ausgesprochen dumm vor. „Ich habe sie doch gerade gesehen“, verteidigte sie sich. „Am Fenster stand eine ältere Frau, ziemlich blass, in einem dunklen Kleid. Und sie hat uns sehr prüfend und ernst nachgeschaut.“
Günter schüttelte den Kopf. „Du hast geträumt, und jetzt hör auf mit dem Blödsinn. Wir müssen uns beeilen, damit wir noch heute zu diesem Signor Magellini kommen, um mit ihm die Vertragsbedingungen zu besprechen.“


Das Raumschiff der alten Götter

Es kreist da oben um die Erde...., dieses alte bizarre Raumschiff. Zwar hat es die Kugelform, von der viele reden, wenn sie ein „Ufo“ meinten.  Jedoch, die immer wieder beschriebenen Luken, die einigen Ufos, wie Spötter behaupten, das Aussehen einer Lampe geben, fehlen völlig.

Es ist eine riesengroße, nahezu kreisrunde Kugel, aus mittlerweile etwas glanzlosem, nicht bestimmbaren Material, unscheinbar trotz seiner Größe, die im Schatten der Erde synchron zu ihr um die Sonne kreist.
Obwohl es schon da war,  als die Vorläufer der Menschen noch auf allen Vieren gingen, wusste niemand davon. Es war von „den Terranern“ nie entdeckt worden, weder mit Fernrohren in früherer Zeit, noch mit den modernen Teleskopen der Gegenwart. Auch jetzt, im Zeitalter der Raumfahrt, wo unzählige von Menschenhand geschaffene Satelliten die Erde umkreisten, bemerkt es keiner der Erdbewohner. Das ist gut so, denn die Folgen für die Crew wären verheerend...

Im Innern der Raumstation herrscht Totenstille. Kein Laut, nicht einmal Wortfetzen, in welcher Sprache auch immer, würden an das Ohr eines Beobachters dringen, sollte es ihm gelingen dort einzudringen.
Da ruhen sie, auf weißen Liegen, die sich eng an ihre Körper schmiegen, bewegungslos, starr, aber ohne jemals zu verwesen. Sie sind groß, weiss, fast durchsichtig und ihre leicht fluoridzierenden Gesichter sind den Terranern nicht im geringsten ähnlich. Viele fast durchsichtige, einem Lichtstrahl gleichende Bänder, reichen hinaus in den Weltraum, hinunter zur Erde. Sie verlieren sich irgendwo zwischen den Menschen, werden vollends unsichtbar durch die vielen Lichter auf der Erde – Scheinwerferlichter der Autos und Straßenbeleuchtung, gelbe Lichter von Lampen, bläuliche von den vielen Fernsehgeräten, rote, grüne, gleißend weiße Leuchtreklamen – kein Wunder, dass man diese feinen Lichtstrahlen nicht sieht.